Schreibhandwerk oder: erst die Plicht und dann die Kür

 

Sich an einen Roman heranzuwagen, scheint gar nicht so schwer zu sein, wenn man den Rat von Mark Twain beherzigt:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.

 

Dieser Intuition bin ich bei meinen Kurzgeschichten gefolgt und habe mit den erzählerischen Zutaten wie Figuren, Konflikte, Erzählperspektive und Setting experimentiert, bis ich das Ergebnis stimmig fand. Doch für einen Roman von mehreren hundert Seiten erschien mir diese Vorgehensweise zu vermessen.

Also habe ich mich gezügelt und nicht gleich drauflosgeschrieben.

Schließlich soll der Protagonist, der sich schon seit längerer Zeit in meinem Kopf herumtreibt und sich partout nicht mit einer Kurzgeschichte zufriedengeben will, nicht an meinen schriftstellerischen Fähigkeiten scheitern.

 

In Phase eins der Vorbereitungen habe ich wie eine werdende Mutter, die sich in sämtliche Elternratgeber vertieft, unzählige Schreibratgeber verschlungen. Für diejenigen, die sich über Tipps freuen, sind die Ratgeber, die ich am hilfreichsten fand, unten aufgeführt.

 

In Phase zwei - quasi als Geburtsvorbereitungskurs für den Roman - habe ich einen wirklich sehr effektiven Intensivkurs bei dem Autoren und Schreibcoach Rainer Wekwerth gemacht (auch hierzu unten Näheres). 

 


Schreibratgeber, die ich empfehlen kann

 

1. Diana Hillebrand: Heute schon geschrieben

Dieser zweibändige Ratgeber ist besonders gut für Einsteiger geeignet. Alle wichtigen Stationen wie die Ideenfindung, die Figurenentwicklung , die Erzählperspektive, die Dialoggestaltung usw. werden am Beispiel einer Fortsetzungsgeschichte anschaulich erklärt. Zudem gibt es viele praxisbezogene Schreibübungen.

 

2. Stephan Waldscheidt: Plot & Struktur

Hier wird die Heldenreise des Protagonisten anhand der Drei-Akt-Struktur in allen Details erläutert - von der Initialzündung und der Verweigerung des Rufs über die Plotpoints und Wendepunkte bis zur Katastrophe und dem auflösenden Höhepunkt.

Das hört sich sehr formalistisch an. Aber ohne ein Wissen über diese Grundstruktur verzettelt man sich sehr schnell und der Protagonist irrt plötzlich konfliktlos durch die Geschichte.

Waldscheidt hat noch zahlreiche weitere Ratgeber zu Spezialthemen wie Spannung und Suspense, überraschende Wendungen oder gute und böse Adjektive geschrieben, die auch lesenswert sind.

 

3. Isa Schikorsky: Helden, Helfer und Halunken - Perfekte Figuren für Ihren Roman

Wie der Titel schon sagt, werden in diesem Ratgeber alle Aspekte der Figurenentwicklung beleuchtet. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen. Sehr hilfreich ist auch die Tabelle im Anhang, die zahlreiche Kriterien enthält, über die man sich bei einer Figur Gedanken machen sollte (z. B. Biographie, äußeres Erscheinungsbild, Charakter, Ziele usw.).

 

4. Elisabeth George: Wort für Wort oder die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben

Der Ratgeber liest sich so spannend wie ein Kriminalroman, ist aber auch sehr gut geeignet, wenn man keinen Krimi schreiben will. Alle wichtigen Aspekte des Schreibens werden nicht nur erklärt, sondern mit Beispielen aus eigenen und fremden Werken belegt. Für Fans von Inspektor Lynley ist es wie ein Blick hinter die Kulissen.

 

5. Federwelt - Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Sechsmal im Jahr erscheint die von Sandra Uschtrin herausgegebene Zeitschrift, die eine tolle Mischung aus praktischen Tipps, interessanten Interviews, Kolumnen, Schreibübungen, Rezensionen usw. enthält. Ich habe sie abonniert und freue mich jedes Mal, wenn sie im Briefkasten liegt.

 

6. Handbuch für Autorinnen und Autoren

Dieses Handbuch aus dem Uschtrin Verlag ist das Standardwerk rund um das Autorendasein. Hier geht es weniger um Schreibtipps, sondern um Informationen und Adressen aus dem Literaturbetrieb zu Themen wie Selfpublishing, Marketing, Agenturen, Verlage, rechtliche Aspekte usw.

 


Schreibkurs bei dem Autor und Schreibcoach Rainer Wekwerth

 

Für derartige Kurse gibt es zahlreiche Anbieter und es ist im Vorwege schwer einzuschätzen, welche Qualität man bekommt und ob das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Auf Rainer Wekwerth bin ich gestoßen, weil der Romanautor Andreas Eschbach, den ich sehr gerne lese, ihn ausdrücklich auf seiner Homepage empfiehlt. Mit Sicherheit gibt es günstigere Kurse im Netz, aber der Intensivkurs bei Rainer Wekwerth war jeden Euro wert.

Anhand von wöchentlichen Aufgabenstellungen entwickelt man systematisch seine Figuren (Protagonisten, Antagonisten, Nebenfiguren) und lernt sie dabei richtig gut kennen. Erst danach geht es ans eigentliche Romankonzept. Am Ende des Kurses hat man auf ungefähr zehn Seiten die Heldenreise vom ersten bis zum letzten Kapitel entwickelt und damit eine super Basis für das eigentliche Schreiben.

Das wöchentliche Feedback zu den Aufgaben war sehr konstruktiv, aber nicht immer leicht zu schlucken, denn Rainer Wekwerth lässt keine Schwachstellen durchgehen. Wie eine Schülerin, die auf das Urteil des Lehrers wartete, war ich mega stolz, wenn es Lob oder wenigstens nichts "zu meckern" gab.

Toll fand ich auch, dass man jederzeit per Telefon noch offene Fragen klären konnte.

Also: uneingeschränkte Empfehlung!

Hier der Link zur Homepage von Rainer Wekwerth: https://www.kreatives-schreiben.net/